Hinter der Kamera

Eigentlich wollte ich nie Fotografin werden

Ich bin Sandra Blaser, für viele einfach Säny. Manche nennen mich auch Sunny, vermutlich weil ich sehr oft ein Lachen im Gesicht habe. Fotografin zu werden war nie mein grosser Kindheitstraum. Fotografiert habe ich trotzdem schon lange bevor daraus irgendwann mein Beruf wurde.

Mit 15 bekam ich zur Konfirmation meine erste eigene analoge Minolta und begann, damit mein Leben zu dokumentieren. Freunde, Reisen, Partys und alles, was mir wichtig war. Ab 18 gingen an einem Wochenende problemlos zwei oder drei Filme drauf, was mit Lehrlingslohn ein ziemlich teures Hobby war. 

Meine KV Lehre absolvierte ich in einem auf Informatikrecht spezialisierten Anwaltsbüro. Eigentlich wollte ich Polygrafin werden, doch Ende der 90er gab es davon in der ganzen Schweiz nur sehr wenige Lehrstellen. Rückblickend war das KV eine sehr gute Schule für mein späteres Leben als Selbstständige.

Von der Minolta zur Nikon d100

Irgendwann wurden mir Entwicklung und Abzüge meiner vielen Filme zu teuer. Also wünschte ich mir einen Scanner, digitalisierte meine Fotos und bastelte daraus Collagen für meine Freunde. Die ersten Digitalkameras steckten noch in den Kinderschuhen. Meine damalige Chefin hatte eine digitale Sony Kamera mit sagenhaften 2.1 Megapixeln, die ich ab und zu ausleihen durfte. Mit 20 kaufte ich schliesslich meine erste eigene Digitalkamera, eine Sony S75 mit 3.2 Megapixeln.

Smartphones gab es noch nicht und unsere Nokia 3210 hatten keine Kameras. Ich war deshalb oft eine der wenigen Personen, die auf Partys einfach so fotografierten. An einer Silvesterparty wurde ich Ende 2002 von Ty Ngo, dem Fotografen und Regional Manager der Partyplattform tilllate.com, angesprochen. Kurz darauf fotografierte ich meine ersten Events für die Plattform.

Mit meiner Sony S75, Anfang 2003

Bei einem meiner ersten Einsätze schaute ich mir die Nikon D100 von Ty an und meinte:

„So eine grosse Kamera werde ich nie kaufen. Die passt ja nicht einmal in meine Handtasche.“

Etwa ein halbes Jahr später hatte ich meine eigene Nikon D100.

DER START IN DIE BUSINESS EVENTFOTOGRAFIE

tilllate, Anfang der 2000er

Während rund vier Jahren fotografierte ich für tilllate über 1000 Veranstaltungen. Partys, Konzerte, Open Airs, Misswahlen und unzählige dunkle Clubs mit schwierigem Licht. Dort lernte ich, schnell zu reagieren, Menschen zu beobachten und mit praktisch jeder Lichtsituation umzugehen. Von 2005 bis 2007 arbeitete ich Vollzeit für tilllate als Regional Managerin und koordinierte unter anderem die Einsätze der Fotografen in der Region Bern.

Über zwei der ehemaligen Gründer von tilllate (Markus Popp & Silvan Mühlemann) kam ich später immer stärker in die Business Eventfotografie. 2010 entstand gemeinsam mit der NZZ ein sehr innovatives Projekt, bei dem Eventbilder direkt von der Kamera auf eine Website übertragen, mit Namen versehen und automatisch an die fotografierten Gäste verschickt wurden. Heute ist ein Live Foto Upload technisch deutlich einfacher, damals brauchte es teure WLAN Adapter, spezielle Speicherkarten und einiges an Geduld. Genau dadurch entstand früh mein Know how für schnelle Bildübertragung und Live Bildservices.

Über diese Aufträge folgten viele weitere Business Events, unter anderem das Swiss Economic Forum. Vieles entwickelte sich danach ganz organisch weiter.

Swiss Economic Forum, 2024

Vom Hobby zum beruf

Mein beruflicher Weg verlief nie ganz gerade. Nach tilllate arbeitete ich unter anderem im Eventbereich von Swisscom und später mehrere Jahre bei der Immobilienfirma Privera. Dort entdeckte ich zusätzlich die Architektur und Immobilienfotografie. Parallel fotografierte ich immer mehr, war Teil einer Fotostudiogemeinschaft und absolvierte eine Weiterbildung zur Web- und Mediapublisherin.

Irgendwann verdiente ich neben meinem Vollzeitjob mehr mit Fotografie als mit meiner Festanstellung. Seit dem 1. Oktober 2013 arbeite ich ganz selbstständig als Fotografin. Einige Jahre später folgte ein Büro mit Fotostudio am Helvetiaplatz in Bern, 2022 kam gemeinsam mit Andre Grimm das Fotobox Business dazu.

Abseits des Alltags

Ganz ohne Abenteuer funktioniert mein Leben allerdings nicht. 2007 entdeckte ich Wakesurfen und Surfen. Aus einer geplanten dreiwöchigen Reise nach Sri Lanka wurden sieben Wochen, weil ich spontan meinen Job kündigte und einfach länger blieb. Während elf Jahren war ich ausserdem mit einem pinken VW T3 namens Janis unterwegs und sammelte damit unzählige Roadtrip Geschichten.

Inzwischen zieht es mich aufs Meer, besonders in den hohen Norden. Seit einer Reise nach Svalbard 2023 mit dem Polar Skipper Andy Fitze haben mich das Segeln und die Arktis nicht mehr losgelassen. Einige Wochen Abenteuer im Jahr sind für mich der perfekte Gegenpol zum intensiven Alltag zwischen Events, Shootings und Deadlines.

Auf dem Meer fühle ich mich unglaublich lebendig. Dauerhaft auf einem Schiff leben möchte ich trotzdem nicht. Dafür mag ich mein Zuhause und meine zwei Kater zu sehr.